Über Teamgeist, Führung und Verantwortung.
Führungskräfte aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten im Senckenberg Naturmuseum über den richtigen Stil.
Manchmal ist vor allem Fingerspitzengefühl gefragt. Zum Beispiel, wenn eine Operndiva plötzlich nicht mehr singen will. So geschah es Prof. Dr. Norbert Abels, Chefdramaturg an der Frankfurter Oper. Erst nach langem „Kratzen an der Garderobentür“ habe er die Dame umstimmen können. In einer solchen Situation hilft offenbar weder „Schwarmintelligenz“ noch „Leitwolf“, sondern nur noch Empathie.
Über die Vielfalt der Führungsstile sowie über Vorbilder in der Natur diskutierten am 5. Mai 2011 Führungspersönlichkeiten aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen mit TV-Moderatorin Nina Ruge. Den Rahmen bot die Veranstaltungsreihe „Pro Diversity“ der Heraeus Bildungsstiftung in Kooperation mit dem Senckenberg Naturmuseum und der Boston Consulting Group.
Vor allem die viel gelobte Schwarmintelligenz stand auf dem Prüfstand. „Schwarmintelligenz ist kein Allheilmittel“, so der Verhaltensbiologe Prof. Dr. Jens Krause. Sie sei hilfreich, wenn das Umfeld sich sehr stark verändere und es auf Robustheit und Flexibilität ankomme. Sie gehe jedoch einher mit langen Entscheidungszeiten und Kontrollverlust.
Bestsellerautor Frank Schätzing beschreibt in seinem Buch „Der Schwarm“, was der Zusammenschluss von Vielen bewirken kann. Als Unternehmer hat er dazu einschlägige Erfahrungen gemacht. Als seine in den 90er-Jahren gegründete Werbeagentur sich rasant vergrößerte, war effiziente Führung durch ein Drei-Personen-Team nicht mehr möglich. Folglich wurden die Strukturen dezentralisiert, Hierarchien abgebaut und so die Kommunikation zwischen allen Beteiligten gefördert.
In anderen Situationen ist eher der „Leitwolf“ gefragt. Jürgen Raps, ehemaliger Chefpilot und Flugbetriebsleiter der Deutschen Lufthansa, saß am 11. September 2001 mit zwei Kabinen- und einer Cockpitbesatzung in Denver fest. Nach den Anschlägen auf die Twin Towers herrschten Desorientierung und Unsicherheit. „In so einer Situation müssen Sie ganz schnell Struktur reinbringen“, so Raps. Organisieren, sich informieren und kommunizieren seien hier das A und O. Und: „Sie müssen die Leute persönlich betreuen, damit sie nicht aus dem Ruder laufen.“
Dr. Gunnar Wöbke, Manager der Skyliners Frankfurt, stimmte dem zu. „Ein guter Trainer muss sein Team auf ein gemeinsames Ziel einschwören und jedem eine klare Rolle zuweisen“, so seine Überzeugung. Das Ziel müsse unbedingt positiv formuliert sein. Der Frankfurter Eintracht würde er daher raten, nicht vom „Abstiegskampf“, sondern vom „Klassenerhaltskampf“ zu sprechen.
Fazit der Runde: Zwar können Schwarmintelligenz oder Leitwolf als Beispiele dienen, der Mensch jedoch kann und sollte je nach Situation unterschiedliche Stile wählen. „Führung fängt bei einem selbst an. Dabei ist in der Familie vielleicht ein anderer Führungsstil gefragt als im Beruf“, so Dr. Beate Heraeus, Vorstandsvorsitzende der Heraeus Bildungsstiftung. Die Vielfalt gelte es zu nutzen. Das sei auch das Anliegen von „Pro Diversity“: „Wir wollen auf dem Podium genauso wie im Publikum Menschen zusammenbringen, die sonst nicht unbedingt miteinander ins Gespräch kommen.“
Folgende Podiumsteilnehmer diskutierten:
- Prof. Dr. Norbert Abels (Chefdramaturg, Oper Frankfurt)
- Prof. Dr. Jens Krause (Verhaltensbiologe, Humboldt-Universität Berlin; Abteilungsleiter Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei)
- Jürgen Raps (Chefpilot und Flugbetriebsleiter, Deutsche Lufthansa AG)
- Frank Schätzing (Bestseller-Autor “Der Schwarm”)
- Dr. Gunnar Wöbke (Geschäftsführer Skyliners Frankfurt)






